Neue Entscheidungen zum Reiserecht

Immer wieder kommt es vor, dass Flüge kurzfristig annulliert werden. Bisher war die Fluglinie verpflichtet, die von einer Annullierung betroffenen Passagiere entsprechend zu versorgen. Dazu zählte das Umbuchen auf einen anderen Flug der eigenen Fluglinie. Der Oberste Gerichtshof hat allerdings jüngst entschieden, dass ein Luftfahrtunternehmen im Fall einer kurzfristigen Annullierung eines Fluges verpflichtet ist, ihren Kunden eine frühestmögliche und gleichwertige Ersatzbeförderung anzubieten. Bei einem Flug von Düsseldorf nach Wien wurde es vom Gericht als nicht ausreichend erkannt, dass der Kundin ein Nachtzug von Düsseldorf nach Wien vorgeschlagen wurde. Es reichte auch nicht aus, dass die Fluglinie darauf verwies, es würden andere Unternehmen noch Flüge nach Wien durchführen. Ein konkretes Angebot auf ein Umbuchen auf diese Flüge wurde allerdings nicht gemacht. Der Oberste Gerichtshof vertritt die Ansicht, dass die Fluglinie deren eigener Flug annulliert wurde, sehr wohl dazu verpflichtet ist, auch den eigenen Kunden die Beförderung mit einer anderen Fluglinie anzubieten. Im gegenständlichen Fall buchte die Kundin selber einen Flug mit einer anderen Fluglinie und waren ihr diese Kosten für die selbstgebuchte Ersatzbeförderung zu ersetzen.

Eine weitere reiserechtliche Entscheidung beschäftigt sich ebenfalls mit den Folgen einer Flugannullierung. In diesem Fall wurde eine Pauschalreise bei einem Reiseveranstalter gebucht. Infolge der Annullierung ihres Fluges wurden die Passagiere in einem Hotel untergebracht, um am nächsten Tag den Flug antreten zu können. Eine Kundin stürzte beim Spazierengehen im Bereich des Hotels und verletzte sich schwer. Sie machte Schmerzengeldansprüche gegenüber dem Reiseveranstalter (und nicht gegenüber der Fluglinie) geltend. Der Oberste Gerichtshof vertritt dazu die Ansicht, dass der Reiseveranstalter für den der Klägerin entstandenen Schaden haftet, zumal auch die Übernächtigung in diesem Hotel vom Pauschalreisevertrag umfasst ist.