Neue Entscheidungen zum Reiserecht

Immer wieder kommt es vor, dass Flüge kurzfristig annulliert werden. Bisher war die Fluglinie verpflichtet, die von einer Annullierung betroffenen Passagiere entsprechend zu versorgen. Dazu zählte das Umbuchen auf einen anderen Flug der eigenen Fluglinie. Der Oberste Gerichtshof hat allerdings jüngst entschieden, dass ein Luftfahrtunternehmen im Fall einer kurzfristigen Annullierung eines Fluges verpflichtet ist, ihren Kunden eine frühestmögliche und gleichwertige Ersatzbeförderung anzubieten. Bei einem Flug von Düsseldorf nach Wien wurde es vom Gericht als nicht ausreichend erkannt, dass der Kundin ein Nachtzug von Düsseldorf nach Wien vorgeschlagen wurde. Es reichte auch nicht aus, dass die Fluglinie darauf verwies, es würden andere Unternehmen noch Flüge nach Wien durchführen. Ein konkretes Angebot auf ein Umbuchen auf diese Flüge wurde allerdings nicht gemacht. Der Oberste Gerichtshof vertritt die Ansicht, dass die Fluglinie deren eigener Flug annulliert wurde, sehr wohl dazu verpflichtet ist, auch den eigenen Kunden die Beförderung mit einer anderen Fluglinie anzubieten. Im gegenständlichen Fall buchte die Kundin selber einen Flug mit einer anderen Fluglinie und waren ihr diese Kosten für die selbstgebuchte Ersatzbeförderung zu ersetzen.

Eine weitere reiserechtliche Entscheidung beschäftigt sich ebenfalls mit den Folgen einer Flugannullierung. In diesem Fall wurde eine Pauschalreise bei einem Reiseveranstalter gebucht. Infolge der Annullierung ihres Fluges wurden die Passagiere in einem Hotel untergebracht, um am nächsten Tag den Flug antreten zu können. Eine Kundin stürzte beim Spazierengehen im Bereich des Hotels und verletzte sich schwer. Sie machte Schmerzengeldansprüche gegenüber dem Reiseveranstalter (und nicht gegenüber der Fluglinie) geltend. Der Oberste Gerichtshof vertritt dazu die Ansicht, dass der Reiseveranstalter für den der Klägerin entstandenen Schaden haftet, zumal auch die Übernächtigung in diesem Hotel vom Pauschalreisevertrag umfasst ist.

Oktober 2018

Wann haften Kinder und Jugendliche

Im Allgemeinen gilt, Kinder bzw. Jugendliche bis zum 14. Lebensjahr sind nicht deliktsfähig. Dies bedeutet, dass unter 14jährige weder strafrechtlich verurteilt werden können, noch schadenersatzpflichtig werden.

Zuletzt sorgte allerdings eine Entscheidung des OLG Linz für Aufsehen, wonach ein 13jähriger Tormann einem gleichaltrigen Fußballspieler Schadenersatz zahlen musste. Der Tormann verletzte einen gegnerischen Spieler schwer.

Voraussetzung dafür, dass auch unmündige Kinder (unter 14jährige) zum Ersatz eines Schadens herangezogen werden können ist, dass ihnen im konkreten Fall doch ein Verschulden angelastet werden kann. Dies ist dann der Fall, wenn ein Unmündiger die nötige Einsicht für sein unrechtmäßiges Verhalten sehr wohl besitzt. Immer wieder wird von der Rechtsprechung dies Einsichtsfähigkeit im Straßenverkehr angenommen, etwa wenn ein 9jähriger einen 7jährigen auf einer Wohnstraße mit dem Fahrrad niederstößt oder ein 13jähriger einen 14jährigen auf die Fahrbahn schubst. Die Gerichte gehen davon aus, dass einem 8jährigen bewusst sein muss, dass das Werfen eines harten Gegenstandes bei einem anderen zu schweren Verletzungen führen kann. In diesen Fällen haften auch unmündige Persobnen.

Die Haftung eines Kindes bzw. eines unmündigen Jugendlichen kann auch dann vorliegen, wenn dieser ein Vermögen besitzt und er dadurch einen Schaden leichter tragen kann als die geschädigte Person.

Zum Vermögen zählt dabei nicht nur Vermögen im eigentlichen Sinn sondern auch das Bestehen einer Haftpflichtversicherung, die für den Schaden aufkommt.

Dies war auch beim oben angeführten Fall des 13jährigen Tormannes ausschlaggebend für seine Haftung. Dessen Eltern hatten für ihn eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen und wurde er daher schadenersatzpflichtig. Der 13jährige bzw. dessen Haftpflichtversicherung mussten 11.000,00 € an Schmerzengeld bezahlen.

Februar 2019

Strafbarkeit von Doping im Breitensport

Seit der WM in Seefeld ist Doping wiederum in aller Munde. Unter Sportdoping versteht man generell die Anwendung von unerlaubten Mitteln oder unerlaubten Maßnahmen zur Leistungssteigerung. Doping spielt jedoch nicht nur im Leistungssport eine Rolle. Vielmehr hat Doping auch im Breitensport Einzug gefunden. Auch wenn es keine exakten Zahlen gibt, so wird vermutet, dass zwischen 5 und 20 % aller Hobbysportler unerlaubte Mittel einnehmen. Es wird weiters behauptet, dass der Handel mit leistungssteigernden Substanzen profitreicher ist als der Handel mit Drogen. Es stellt sich daher die Frage, ob auch ein Breitensportler durch die Einnahme unerlaubter Substanzen mit dem Gesetz in Konflikt kommen kann. Die Strafbestimmung Sportbetrug findet sich als Qualifikation des einfachen Betruges in § 147 (1a) des Strafgesetzbuches. Strafbar ist die Einnahme verbotener Wirkstoffe oder die Anwendung einer verbotenen Maßnahme zu Zwecken der Leistungssteigerung im Sport, wenn dadurch ein mehr als geringer Schaden entsteht. Unter geringem Schaden versteht die Rechtssprechung einen Schaden von unter € 100,00. Damit ist klar, dass die Strafbestimmung in erster Linie auf den Spitzensport abzielt, wo entsprechend hohe Preisgelder verdient werden, wo Sponsorenverträge abgeschlossen werden und wo von den Verbänden hohe Trainings- und Wettkampfkosten übernommen werden. Das bloße Gewinnen von Pokalen und Medaillen soll hingegen nicht strafbar sein. Allerdings kann auch im Breitensport schnell ein Schaden von mehr als € 100,00 entstehen, wenn etwa ein Verein aufgrund guter Leistungen Startgelder übernimmt, Leistungsprämien bezahlt oder Trainingskurse finanziert. Voraussetzung für die Strafbarkeit von Doping ist aber in allen Fällen, dass der Sportler mit Täuschungs- und Bereicherungsvorsatz handelt. Anders als in Deutschland ist in Österreich der Erwerb und Besitz von verbotenen Substanzen soweit sie nicht dem Suchtmittelgesetz unterliegen, nicht strafbar. Der Verkauf oder die Weitergabe von verbotenen Substanzen kann einen Verwaltungsstraftatbestand nach dem Arzneimittelgesetz erfüllen. Was das Gesetz unter verbotenen Wirkstoffen und verbotenen Methoden versteht, ist in der Anti-Doping-Konvention festgeschrieben, welche in Österreich im BGBL Nr. 451/1991 kundgemacht wurde.